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"Haider, Ein Mann mit Grundsätzen - Eine Polemik"
Motto: "Nichtswürdig ist die Nation" Friedrich Schiller, aus dem Zusammenhang gerissen oder "Die schärfste Form der Polemik ist das Zitat"
 
 

 

In einer Grundsatzrede zum 50. jährigen Jubiläum der Republik zeichnet der F-Führer in einem weiten Bogen sein Bild Österreichs, unter besonderer Berücksichtigung der jüngeren Geschichte und der jüngsten Ereignisse.

Diese Bild kann bestenfalls mit totalem Realitätsverlust erklärt werden kann, ansonsten nur als demokratie- und republikgefährdend gewertet werden kann.

So erklärt Haider am Vortag des 27. April, im Nationalsozialismus wären "viele gutgläubig in die Irre geführt worden". Diese Gutgläubigen kämpften dann "unter dem - deutschen - NS-Regime" in einem Krieg, "den die allerwenigsten wollten", sie kämpften als Soldaten, und zwar " erst weil sie keine andere Wahl hatten, dann um ihre Heimat (das III. Reich, Anm.) und Familie zu retten". Somit ist unmißverständlich festzuhalten: "Die Kriegsgeneration hat enormes geleistet." Wahrscheinlich ist es aber ein grobes Mißverständnis zu glauben, daß die Leistung in den zitierten "fast verhungerten und geschundenen Überlebenden aus den NS-Konzentrationslagern, dann die nach und nach heimkehrenden bis auf die Knochen abgemagerten Kriegsgefangenen, die hundertausenden Vertriebenen aus Schlesien, dem Banat, dem Sudetenland" bestand.

Die unerträgliche Gleichsetzung nicht gleichzusetzendern Gruppen sei hier für sich alleine stehend unkommentiert. Konsequenterweise war dann "die Befreiung von Hitler noch lange keine Freiheit". Aber schließlich waren es auch "nicht sehr viele, die 1945 Grund zur Freude hatten oder gar Grund stolz zu sein". Denn "die Widerstandskämpfer, die diesen Namen auch verdienen, waren zum größten Teil nach dem Juli 1944 hingerichtet worden". Merke: nur ein toter Widerstandskämpfer ist ein guter Widerstandskämpfer, oder anders, nur Widerstand in Uniform ist guter Widerstand. Es kann schließlich auch nicht angehen, "mit Scholtens Hilfe die gesamte Wehrmacht zu kriminalisieren". Aber "um Angst zu verbreiten" geht es heute ja sogar an "eine Generation zu opfern". Eine Generation, "die die Hölle des NS-Regimes und des Weltkrieges durchgehen mußte". Mußte? Selbst der F-Führer wähnt die "Opfertheorie Österreichs". Deshalb wehret dem Ende, besonders "den heutigen Berufswiderstandskämpfern, die 1945 noch nicht einmal geboren waren". Man sollte deshalb auch nie vergessen, daß 1945 "eine Notsituation war, für alle, materiell wie auch moralisch". Deshalb habet Mitleid mit den armen Menschen, die noch ein Jahr davor moralischen Halt hatten.

Mag sein, daß der F-Führer sich auch heute in einer Notsituation wähnt. In der Tat kann Haider gefährlich werden für Haider. Denn klar ist, "daß wir keine Rücksicht nehmen werden, wenn einer gegen Österreich und seine Demokratie auftritt". So kann es schon passieren, daß einem die Wahrheit herausrutscht. Vielleicht sollte wirklich darüber nachgedacht werden, "ob heute nicht manche, im relativen Wohlstand, dabei sind, die Aussöhnnung von damals, die auf Grundlage eines gemeinsamen Bekenntnisses zu den demokratischen Grundwerten erfolgte, wieder aufs Spiel zu setzen". Denn er hat recht, "begründete Angst zu bekommen ist eine Sache. Angst zu verbreiten, zu verhetzen, die Geschichte zu mißbrauchen, mit der Wahrheit nicht leben zu können: das ist eine andere". Wer jetzt immer noch glaubt, in "der spätestens mit dem Fall des Eisernen Vorhanges eingekehrten Normalität" nun beruhigt in diesem Land leben zu können, der irrt freilich gewaltig. "Alle Arlamglocken müßten läuten", denn "das Gnadelose Gute" schlägt wieder zu, "von Heide Schmidt bis Ostbahn-Kurti". Gebet acht! "Wir stehen vor dem Phänomen einer machtgierigen Linken in Österreich". Wohin man den Blick auch wendet: "die Freiheitsbedrohungen, die sich auftun, sie überstürzen sich geradezu".

In der Tat. "Briefbomben, Rohrbomben, die Bomben von Oberwart und Stinatz: Motive und Täter bleiben erschreckend Rätselhaft". Die Opfer jedoch sind schnell gefunden, da "die Freiheitlichen nur politisches Opfer, niemals aber politischer Gewinner dieser Verbrechen sein konnten". Die Frage welcher Art Verbrechen sein müssen, daß Freiheitliche politische Gewinner sind, wird hoffentlich nie beantwortet. "Das, meine lieben Freunde, lassen wir nicht zu!" "Aber wir finden uns am Scheideweg". Schon wieder wird man gutgläubig in die Irre geführt. Es wäre schön, müßte man sich nicht vorstellen, daß am 27. April 1995 "am Heldenplatz nicht schon wieder tausende anständige, idealistische Jugendliche völlig ahnungslos auf einem Fest sein könnten, gemeinsam mit den Helfern der Täter von Ebergassing - und womöglich nicht nur von Ebergassing". Und als Gipfel der Perfidie "nennt der ORF das "Fest der Freiheit". Und das hier, in Wien". Mögen diese "Repräsentatnten des kommunistischen Widerstandes gegen die Demokratie" doch in einer der letzten real existierenden sozialistischen Enklaven oder sonstwo feiern, aber nicht hier in Wien. Denn Wien ist anders. Trotzdem wird Augenmaß bewahrt. Der F-Führer "kann, will und wird nicht nicht sagen, daß die Bombenanschläge davor ebenfalls Provokation der angeblich friedliebenden Antifa-Szene waren". Erwähnen wird man es wohl noch dürfen, auch wenn in den Medien und "Redaktionsstuben" "das Menschenrecht auf Meinungsfreiheit relativiert, und im Falle des ORF sogar offen verletzt wird". Aber er hat ja nichts zu sagen.

Die Schlußfolgerung kann daher nur eine sein: "Es wird Zeit, daß die Behörden wirklich ermächtigt werden, zu untersuchen". Von wem? Vom Volkskanzler der Dritten Republik? Wie? Vielleicht durch ein Ermächtigungsgesetz? Auch das ist nicht neu. "Da kann die geistig und physisch gewaltbereite Linke verdrehen, was sie will. Die Dritte Republik ist für sie gefährlich, jawohl." All das mach deutlich, daß Haider wahrscheinlich wirklich der Führer der "großen -und in Wahrheit einzigen - Opposition" ist.

Der einzigen nämlich, die in klarer Opposition zu Österreich steht. Denn, "wenn all das kein Zufall ist: mit welcher Methode wird hier an der Destabilisierung Österreichs gearbeitet?" Daher muß die Frage, "sollen wir die Zukunft unserer Heimat in die Hände von Leute legen, die in Wahrheit keine Werte kennen" tatsächlich gestellt werden.

Deshalb: "Geht hinaus und sagt allen die Wahrheit"

 

 

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© 2003 by ART AND THE CITY - Art & Talk auf RADIO ORANGE 94.0
Letzte Aktualisierung: 05.03.2003

 

 

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