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In einer Grundsatzrede zum 50. jährigen Jubiläum der Republik zeichnet
der F-Führer in einem weiten Bogen sein Bild Österreichs, unter
besonderer Berücksichtigung der jüngeren Geschichte und der jüngsten
Ereignisse.
Diese Bild kann bestenfalls mit totalem Realitätsverlust erklärt
werden kann, ansonsten nur als demokratie- und republikgefährdend
gewertet werden kann.
So erklärt Haider am Vortag des 27. April, im Nationalsozialismus
wären "viele gutgläubig in die Irre geführt worden". Diese Gutgläubigen
kämpften dann "unter dem - deutschen - NS-Regime" in einem Krieg,
"den die allerwenigsten wollten", sie kämpften als Soldaten, und
zwar " erst weil sie keine andere Wahl hatten, dann um ihre Heimat
(das III. Reich, Anm.) und Familie zu retten". Somit ist unmißverständlich
festzuhalten: "Die Kriegsgeneration hat enormes geleistet." Wahrscheinlich
ist es aber ein grobes Mißverständnis zu glauben, daß die Leistung
in den zitierten "fast verhungerten und geschundenen Überlebenden
aus den NS-Konzentrationslagern, dann die nach und nach heimkehrenden
bis auf die Knochen abgemagerten Kriegsgefangenen, die hundertausenden
Vertriebenen aus Schlesien, dem Banat, dem Sudetenland" bestand.
Die unerträgliche Gleichsetzung nicht gleichzusetzendern Gruppen
sei hier für sich alleine stehend unkommentiert. Konsequenterweise
war dann "die Befreiung von Hitler noch lange keine Freiheit". Aber
schließlich waren es auch "nicht sehr viele, die 1945 Grund zur
Freude hatten oder gar Grund stolz zu sein". Denn "die Widerstandskämpfer,
die diesen Namen auch verdienen, waren zum größten Teil nach dem
Juli 1944 hingerichtet worden". Merke: nur ein toter Widerstandskämpfer
ist ein guter Widerstandskämpfer, oder anders, nur Widerstand in
Uniform ist guter Widerstand. Es kann schließlich auch nicht angehen,
"mit Scholtens Hilfe die gesamte Wehrmacht zu kriminalisieren".
Aber "um Angst zu verbreiten" geht es heute ja sogar an "eine Generation
zu opfern". Eine Generation, "die die Hölle des NS-Regimes und des
Weltkrieges durchgehen mußte". Mußte? Selbst der F-Führer wähnt
die "Opfertheorie Österreichs". Deshalb wehret dem Ende, besonders
"den heutigen Berufswiderstandskämpfern, die 1945 noch nicht einmal
geboren waren". Man sollte deshalb auch nie vergessen, daß 1945
"eine Notsituation war, für alle, materiell wie auch moralisch".
Deshalb habet Mitleid mit den armen Menschen, die noch ein Jahr
davor moralischen Halt hatten.
Mag sein, daß der F-Führer sich auch heute in einer Notsituation
wähnt. In der Tat kann Haider gefährlich werden für Haider. Denn
klar ist, "daß wir keine Rücksicht nehmen werden, wenn einer gegen
Österreich und seine Demokratie auftritt". So kann es schon passieren,
daß einem die Wahrheit herausrutscht. Vielleicht sollte wirklich
darüber nachgedacht werden, "ob heute nicht manche, im relativen
Wohlstand, dabei sind, die Aussöhnnung von damals, die auf Grundlage
eines gemeinsamen Bekenntnisses zu den demokratischen Grundwerten
erfolgte, wieder aufs Spiel zu setzen". Denn er hat recht, "begründete
Angst zu bekommen ist eine Sache. Angst zu verbreiten, zu verhetzen,
die Geschichte zu mißbrauchen, mit der Wahrheit nicht leben zu können:
das ist eine andere". Wer jetzt immer noch glaubt, in "der spätestens
mit dem Fall des Eisernen Vorhanges eingekehrten Normalität" nun
beruhigt in diesem Land leben zu können, der irrt freilich gewaltig.
"Alle Arlamglocken müßten läuten", denn "das Gnadelose Gute" schlägt
wieder zu, "von Heide Schmidt bis Ostbahn-Kurti". Gebet acht! "Wir
stehen vor dem Phänomen einer machtgierigen Linken in Österreich".
Wohin man den Blick auch wendet: "die Freiheitsbedrohungen, die
sich auftun, sie überstürzen sich geradezu".
In der Tat. "Briefbomben, Rohrbomben, die Bomben von Oberwart und
Stinatz: Motive und Täter bleiben erschreckend Rätselhaft". Die
Opfer jedoch sind schnell gefunden, da "die Freiheitlichen nur politisches
Opfer, niemals aber politischer Gewinner dieser Verbrechen sein
konnten". Die Frage welcher Art Verbrechen sein müssen, daß Freiheitliche
politische Gewinner sind, wird hoffentlich nie beantwortet. "Das,
meine lieben Freunde, lassen wir nicht zu!" "Aber wir finden uns
am Scheideweg". Schon wieder wird man gutgläubig in die Irre geführt.
Es wäre schön, müßte man sich nicht vorstellen, daß am 27. April
1995 "am Heldenplatz nicht schon wieder tausende anständige, idealistische
Jugendliche völlig ahnungslos auf einem Fest sein könnten, gemeinsam
mit den Helfern der Täter von Ebergassing - und womöglich nicht
nur von Ebergassing". Und als Gipfel der Perfidie "nennt der ORF
das "Fest der Freiheit". Und das hier, in Wien". Mögen diese "Repräsentatnten
des kommunistischen Widerstandes gegen die Demokratie" doch in einer
der letzten real existierenden sozialistischen Enklaven oder sonstwo
feiern, aber nicht hier in Wien. Denn Wien ist anders. Trotzdem
wird Augenmaß bewahrt. Der F-Führer "kann, will und wird nicht nicht
sagen, daß die Bombenanschläge davor ebenfalls Provokation der angeblich
friedliebenden Antifa-Szene waren". Erwähnen wird man es wohl noch
dürfen, auch wenn in den Medien und "Redaktionsstuben" "das Menschenrecht
auf Meinungsfreiheit relativiert, und im Falle des ORF sogar offen
verletzt wird". Aber er hat ja nichts zu sagen.
Die Schlußfolgerung kann daher nur eine sein: "Es wird Zeit, daß
die Behörden wirklich ermächtigt werden, zu untersuchen". Von wem?
Vom Volkskanzler der Dritten Republik? Wie? Vielleicht durch ein
Ermächtigungsgesetz? Auch das ist nicht neu. "Da kann die geistig
und physisch gewaltbereite Linke verdrehen, was sie will. Die Dritte
Republik ist für sie gefährlich, jawohl." All das mach deutlich,
daß Haider wahrscheinlich wirklich der Führer der "großen -und in
Wahrheit einzigen - Opposition" ist.
Der einzigen nämlich, die in klarer Opposition zu Österreich steht.
Denn, "wenn all das kein Zufall ist: mit welcher Methode wird hier
an der Destabilisierung Österreichs gearbeitet?" Daher muß die Frage,
"sollen wir die Zukunft unserer Heimat in die Hände von Leute legen,
die in Wahrheit keine Werte kennen" tatsächlich gestellt werden.
Deshalb: "Geht hinaus und sagt allen die Wahrheit"
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